|
Geschichte (n) des Bieres |
|
|
Brauer - Patron - St. Arnold auf einem Bild des 19. Jahrhunderts. |
Inhaltsverzeichniss |
|
(Kloster Weltenberg hat eine der ltesten Brauereien der Welt.) |
Schon 3000 Jahre vor unserer Zeitrechnung wird nicht nur Brot, sondern auch Bier mit Zivilisation gleichgesetzt. Die Ursprnge der Braukunst liegen in den Hochkulturen des Zweistromlandes im mittleren Osten. Wann und wie genau das lteste alkoholische Getrnk erfunden wurde, wei heute niemand mehr genau, vermutlich wurde der Grungsprozess durch Zufall entdeckt.
|
Irgendein alter Sumerer lie ein nasses Brot in der Ecke liegen und so grte ein berauschender Brei zusammen, dessen Wirkung die Bewohner der fruchtbaren Landstriche zwischen Euphrat und Tigris schnell zu schtzen wussten. Schon die Babylonier verstanden es als direkte Nachfahren der Sumerer, 20 verschiedene Biersorten zu brauen, acht davon aus reinem Emmer, acht aus Gerste und vier aus einem Getreidegemisch. Das Bier jener Zeit war trbe und wurde durch eine Art Strohhalm getrunken, um nicht die bitteren Rckstnde in den Mund zu bekommen. Lagerbier wurde bis ins tausend Kilometer entfernte gypten exportiert. Das Gesetz des Knig Hammurabi sicherte jedem Babylonier eine tgliche Bierration zu, deren Umfang vom Stand abhngig war: Arbeiter erhielten zwei Liter Bier, Beamte drei, Verwalter und Priester gar fnf. Die Braukunst gehrte zur Hausarbeit und war demnach reine Frauensache. Der Verkauf von Bier war untersagt, es wurde nur gegen Gerste getauscht. Knig Hammurabi fhrte auerdem ein uerst rigoroses Verfahren der Qualittskontrolle ein: Wer minderwertiges Bier ausschenkte, wurde ertrnkt.
Funde von Bieramphoren belegen, dass in unseren Breiten ab dem achten vorchristlichen Jahrhundert gebraut wurde. Den schnseligen alten Rmer, die eher dem Weine hold waren, galt Bier als abscheuliches Barbarengesff, was die wilden Germanen jedoch nicht vom ausdauernden Konsum jenes Getrnkes abhielt, das damals nicht lange haltbar war und kaum schumte. Dem Bier kam darber hinaus eine kultische Bedeutung zu: Die finnische Volksdichtung Kalewala widmete dem Bier 400 Verse - die Erschaffung der Welt wurde dagegen in nur 200 Versen abgehandelt. Auch bei den Germanen war das Brauen reine Frauensache: Hausfrauen, die frisch gebraut hatten, luden ihre Nachbarinnen zum Bierkrnzchen ein. Mit der Christianisierung Mitteleuropas begannen sich die Klosterbrauereien kurz vor der Jahrtausendwende mit der Bierherstellung zu beschftigen: Vor allem in der Fastenzeit diente dick Eingebrauter Gerstensaft den Mnchen als sttigendes Grundnahrungsmittel, von dem sie bis zu fnf Litern tglich verzehrten. Mige Klosterbrder machten die Braukunst zur Wissenschaft, fgten erstmals den wrzigen Hopfen hinzu und begannen einen lukrativen, steuerlich begnstigten (weil von den Bierabgaben der Landesfrsten befreiten) Bierhandel. Bevor man den Brausaft aber regelmig mit Hopfen wrzte, wurde mit allerlei tollkhnen Krutermixturen herumexperimentiert, um das Bier schmackhafter zu gestalten. Einige Brauer mischten Wacholder, Schlehe, Kmmel, Anis oder Lorbeer bei, andere panschten mit Stechapfel und Bilsenkraut. Das wiederum war nicht nur ausgesprochen giftig, sondern fhrte auch zu Halluzinationen. Die armen Zecher konnten ihren Augen nicht mehr trauen und suchten die Schuld fr ihre Desorientierung bei mutmalichen Bierhexen, auf die dann der knisternde Scheiterhaufen wartete.
Um solchem Unfug ein Ende zu setzen, erlie Herzog Wilhelm IV von Bayern 1516 das deutsche Reinheitsgebot, nach dem zur Herstellung von Bier nur noch Gerste, Hopfen und reines Wasser verwendet werden durften.
In der Zwischenzeit nahm der wirtschaftliche Stellenwert des Bieres rapide zu: Es wurde zur wichtigsten Einnahmequelle fr die aufblhenden Stdte. Um 1500 konnte man in Deutschland ber 600 Brauereien zhlen, die Hanse exportierte Brauereiprodukte nach Grobritannien, Skandinavien und sogar ins ferne Indien.
Spter sollten die Voraussetzungen fr industrielle Bierherstellung durch die Erfindung der Dampfmaschine und der knstlichen Khlung geschaffen werden. Auf dem Weg von der Feudal- zur Industriegesellschaft war das Bier hiernach Motor des technischen Fortschritts und der Erschlieung neuer Verkehrswege. Transportgut der ersten deutschen Eisenbahnverbindung zwischen Nrnberg und Frth waren zwei Fsser Bier.
In der zweiten Hlfte des 19 Jahrhundert erkannten endlich auch die nchternen Naturwissenschaftler, dass Bier ein Segen fr die Menschheit ist. In seinen "Studien ber das Bier" sammelte Louis Pasteur Erkenntnisse ber das emsige Treiben der Mikroorganismen im Grungsprozess zum Nutzen von Medizin und Biologie.
Auf der Spur der Berliner Biergeschichte (von Michael Weidner)
( zum vergrern auf das Bild klicken )
Berlin war von jeher eine trinkfrohe Stadt ! Seit altershehr wurde in Berlin gebraut, bereits 1288 machten "die alten Weiber im Hospital zum Heiligen Geist ein stark und gut Bier".
1370 verordnete der Rat der Stdte Berlin und Clln, dass hier nur brauen drfte, wer das Brgerrecht besa. Zugleich hie es in dieser Verordnung aber auch: "Ernstlich befehlen wir, keiner darf fremdes Bier ausschenken in unserer Stadt, einzig der Rat". Von den Fremden Bieren war das "Bernauer" sehr berhmt. Man hatte fr seine Gte damals eine merkwrdige Probe: es wurde im Bernauer Ratskeller Bier ber die Sitzbnke gegossen. Wenn nun die Bierprfer mit ihre Lederhosen auf den Bnken kleben blieben, war das Bier gut. Die Tradition des Bernauer Bieres wurde von der Berliner Brgerbru 1990 mit dem "Bernauer Schwarzbier" nach alter Rezeptur wieder ins Leben gerufen. Bier zhlte im Mittelalter zur "Brgerlichen Nahrung", das Braurecht war an den Besitz der Braustellen gebunden. 1488 wurde erstmals eine Staatssteuer fr Bier erhoben, 1513 eine Biersteuer auf Lebenszeit und 1549 gar die "groe Bierziese" als Biersteuer. So war Bier stets ein Steuerobjekt und die Brauindustrie eine ergiebige Steuerquelle. Die Berliner Bierbrauer drften nach der Brewer -Ordnung von 1577 nur alle 14 Tage brauen, im gleichen Jahr wurde auch das Gilde-Recht verliehen. 1605 wurden aus Berlin 15 Braumeister ernannt, 10 aus Clln. Im dreiigjhrigen Krieg waren nach dem Trommelschlag die Schenken zu sperren. Beim Kontrollgang machten die Amtsbttel einen Kreidestrich an den Zapfen der Fsser. Daher kommt der Begriff "Zapfenstreich", besonders beim Militr. Im 18. und 19. Jahrhundert ging der Bierkonsum deutlich zurck. Kaffee, Tee und Kakao wurden zu erheblichen Konkurrenten des Bieres. Anfang des 19. Jahrhunderts kamen in Berlin auf 10 Weibierbrauereien nur 3 Bitterbrauereien, spter konnte sich das Pilsner Bier nur sehr langsam gegen die Konkurrenz des Bayerischen Bieres durchsetzen. Der dann einsetzende Technische Fortschritt fhrte auch im Brauwesen zu einer bedeutenden Steigerung von Qualitt und Quantitt.
|
Die Berliner Lagerbrauereien 1883 |
|||
|
Schultheiss Brauerei - Schnhauser Allee, seit 1842 |
|
Btzow Brauerei, seit 1863 |
|
Bhmisches Brauhaus, seit 1868 |
|
Patzenhofer Brauerei, seit 1855 |
|
|
Viktoria Brauerei (Engelhardt Strahlau), seit 1886 |
|
Brauerei Mggelschlchen (Berliner Brgerbru), seit 1869 |
|
|
Borussia Brauerei (Brenquell), seit 1888 |
|
Vereinsbrauerei Rixdorf (Berliner Kindl), seit 1872 |
|
|
Tivoli Brauerei (Schulthei Kreuzberg), seit 1857 |
|
Schlobrauerei Schneberg, seit 1375 |
|
|
Kaiser Brauerei (Engelhardt Charlottenburg), seit 1884 |
|
Leusche Brauerei (spter Schulthei), seit 1873 |
|
|
Aktien Brauerei Moabit, seit 1841 |
|
Hochschul Brauerei, seit 1891 |
|
|
Action Brauerei Friedrichshain, seit 1859 |
|
Brauerei Pfefferberg, seit 1841 |
|
|
Lwenbrauerei Hohenschnhausen, seit 1892 |
|
||
Die Biertradition der Schweiz:
geht bis auf das Jahr 640 n. Chr. zurck. In der Lebensgeschichte des Mnches Columban aus dem Kloster St. Gallen wird erwhnt, dass bei Festanlssen um diese Zeit dort bereits Bier gebraut und getrunken wurde. Ein Klosterplan von St. Gallen von 820 zeigt mehrere Brauerei-Anlagen. Heute existiert in St. Gallen jedoch keine Klosterbrauerei mehr. Die ltesten Brauereien der Schweiz, die noch produzieren, stammen aus der Zeit um 1670-80. Es sind die Brauerei Schloss Reichenbach in Zollikofen (Kanton Bern), die jetzt zu einer greren Firmengruppe gehrt, und die Brauerei Eichhof in Luzern, deren erste Brausttte 1668 entstanden ist. In der Schweiz produzieren 35 Brausttten Bier. 31 gehren dem Schweizerischen Bierbrauerverein an. Die grte Brauerei-Gruppe der Schweiz ist die Feldschlsschen -Gruppe in Rheinfelden (Kanton Aargau). Die kleinste Brauerei der Schweiz ist die Brauerei Wfler/Rothenburg mit 331 hl Aussto. Die schwchsten Biere werden in der Schweiz von mehreren Brauereien mit einem Stammwrzegehalt bis zehn Prozent und einem Alkoholgehalt von etwa 2,25 Vol.-Prozenten gebraut.
Im frhen Mittelalter waren es vor allem die Klster, die mit ihrem Bier die Bierproduktion hochhielten und die Qualitt des Bieres u.a. durch die Beifgung von Hopfen deutlich steigerten. Berhmt geworden ist der Plan des Klosters St. Gallen von 820, welcher drei Brauereien auf dem Klostergelnde zeigt, eine fr die Mnche, eine fr Pilger und die dritte fr Gste.
Der Brauvorgang war noch sehr unsicher, so manches Bier misslang dem Brauer und einen einheitlichen Geschmack einer Brauerei gab es auch nicht.
Irische Mnche brachten das Bierbrauen im Zuge ihrer Christianisierung nach Europa zurck.
Die Klster brauten zunchst nur fr den Eigenbedarf und begannen erst spter mit dem gewerblichen Verkauf. Da ihr Bier gnstig war und von allgemein guter Qualitt schossen diese Klosterschenken wie Pilze aus dem Boden. brigens war Bier auch in der Fastenzeit gestattet, der liebe Gott hat wohl geahnt, das ein Verbot des Gerstensaftes nicht durchsetzbar gewesen wre.
Brgerliche Brauereien hatten kaum eine Chance gegen die Klster, so dass zu Beginn des 15. Jahrhunderts viele Landesherren den klsterlichen Verkauf verboten und so den Weg ebneten fr die modernen Brauereien.
719 bestimmte Herzog Lantfrit von Schwaben in der Lex Alemannorum eine Abgabe von Bier an den Herrscher durch unfreie Bauern, eine erste Biersteuer. 742 erlie Herzog Odilo von Bayern ein hnliches Gesetz. Der Anbau von Hopfen ist in Deutschland zum ersten Mal im Jahr 764 erwhnt, um 800 zeugen Quellen auch vom Hopfenanbau in St. Gallen.
815 wird das Mnchener Bier erstmalig erwhnt und 1156 erlsst Knig Friedrich I. (Barbarossa) ein erstes Gesetz zur Bierqualitt.
Im 15. Und 16. Jahrhundert drngten die erstrkten Stdte die Klster zurck. Brauverbote und andere Einschrnkungen fr die Klster lieen Braubetriebe in den Stdten entstehen und auch die Bierznfte.
Das Jahr 1516 war fr das deutsche Bier ein sehr wichtiges Jahr. Am 23. April erlie der bayrische Herzog Wilhelm IV. das berhmte Reinheitsgebot. Nach dem Reinheitsgebot, dem ltesten noch gltigen Lebensmittelgesetz solle zu kainem Pier merer stuckh dann allain Gersten, hopfen und Wasser genommen und gebraucht slle werden". Der gute Herzog verga in seinem Gesetz aber die Hefe, die zum Bierbrauen unabdingbar dazu gehrt.
Anfang des 18. Jahrhunderts gewann die untergrige Brauweise in Deutschland die Oberhand gegenber der obergrigen.
Zunchst hatten die Bierbrauer aber keine eigene Zunft, sondern wurden der Bcker- und Mllerzunft angegliedert. Dies natrlich nicht von ungefhr, denn die meisten Brauer stellten nicht nur "flssiges Brot", sondern auch richtiges Brot her. In Norddeutschland warb solch ein Bierbrauender Bcker oder Brotbackender Brauer mit dem Spruch: "Ich gewinn euch Bier und Brot, davon werden die wanglein rot". Dieser treuherzige Zweizeiler knnte genauso gut vom Saulgauer Dreiknigwirt Johannes Eberle (1631-1693) stammen, denn auch er war Brauer und Bcker von Beruf. Beide Berufe verband die Arbeit mit Getreide, Hefe und Wasser, und so war es fr die Bcker sicher kein groes Problem, die Bierherstellung zu erlernen. Sptestens 1724 war dieser Doppelberuf, der auch doppelt besteuert wurde, nicht mehr genehm. Hirschwirt Franz Josef Jger muss auf allergndigsten kaiserlichen Befehl sich fr einen Beruf entscheiden. Er blieb Bierbrauer.
Auch die Klosterfrauen erhielten 1696 das Recht zum Biersieden und Schnapsbrennen. Gebraut wurde in den Klosterbrauereien nicht nur fr die Gste, sondern auch fr den Eigenbedarf, der recht beachtlich gewesen sein muss. Sicher hat neben dem Schwefelbad auch der Bier- und Schnapsausschank zur Wohlhabenheit des Saulgauer Frauenklosters beigetragen, denn 1700 war das Vermgen so angewachsen, dass mit dem Neubau des Klosters, spter Oberamtei, heute Rathaus begonnen werden konnte.
Neben Bier wurde auch das "Honigbier" Met gebraut und Schnaps gebrannt. Das Brennen gehrte bei den Brauern zum Handwerk und musste deshalb nicht besonders versteuert werden. So hatten sie die Mglichkeit: Bier das wegen mangelnder Hygiene oder zu geringer Khlung sauer geworden war, wenigstens zu Schnaps zu brennen. Die Qualitt des Bieres war ein wichtiges Anliegen des Rates. So empfiehlt er den Brauern dringend, gutes Bier herzustellen und es mindestens vier Wochen zu lagern. Auch sollten die Bierhersteller genug Bier fr die Brgerschaft und die ankommenden Fremden beschaffen. Und getrunken wurde damals sehr viel. Wie aus der Kellerverordnung eines bayerischen Herzogs zu entnehmen ist, erhielten "grfliche Frauenzimmer" anno 1648 tglich sieben Ma Bier kredenzt. Wie viel mgen da erst die Mnner getrunken haben? Schon 1672 konnten die Saulgauer in 16 Wirtschaften ihren Durst lschen, 12 Jahre spter existierten bereits 21 Wirtschaften. Die Wirte waren damals vermgende und angesehene Brger, die hufig wichtige ffentliche mter bekleideten, wie z. B. Kreuzwirt Bibiser (1658), der zugleich Brgermeister war.
Dort, wo es menschliche Zivilisation gab, gab es auch Bier. Die Babylonier, Sumerer und gypter kannten Bier. In Europa wird Bier als Getrnk der Barbaren (Nicht- Rmer) von den Rmern erstmalig erwhnt. Gemeint sind damit eigentlich die alten Germanen, die Vor- fahren unserer deutschen Nachbarn. Diese alten Germanen tranken ihr eigenes Bier. In bis zu 3500 Jahre alten keltischen und germanischen Grbern wurden Gefe gefunden, in denen Archologen Reste von Bier nachweisen konnten. Auch die Griechen kannten Bier, jedoch eher als Heilmittel und nicht als Getrnk. Schon Hippokrates erwhnte in seinen Schriften den "Gerstensud" und beschrieb die heilende Wirkung besonders bei Fieber und Schlaflosigkeit.
Das Land der Sumerer umfasste das sdliche Mesopotamien (auch Zweistromland genannt - zwischen Euphrat und Tigris gelegen). Durch einen Zufall entdeckten die Sumerer den Grungsprozess. Was sich damals genau zugetragen hat, wei heutzutage natrlich niemand mehr genau, aber es knnte sein, dass ein einfaches Stck Brot nass geworden ist und schlicht vergessen wurde. Nach kurzer Zeit begann das Brot zu gren und somit entstand ein "berauschender" Brei. Die Sumerer verstanden es, diesen Prozess zu wiederholen und brauten somit als vermutlich erstes Kulturvolk dieser Erde Bier. Sie hatten ein "gttliches Getrnk" entdeckt, welches sie ihren Gttern als Opfer darboten. Im 2. Jahrtausend vor Christus zerfllt das sumerische Reich und die Babylonier werden das herrschende Kulturvolk im Zweistromland. Ihre Kultur baute auf der sumerischen auf, folglich beherrschten auch sie die Kunst des Bierbrauens. Es ist uns heute bekannt, dass die Babylonier es bereits verstanden 20 verschiedene Biersorten zu brauen. Davon sollen 8 aus reinem Emmer, weitere 8 aus reiner Gerste und 4 aus einem Getreidegemisch gebraut worden sein. Das Bier jener Zeit war trb und ungefiltert. Man benutzte einen Vorlufer des Strohhalms, ein dnnes Rhrchen, um nicht die Rckstnde der Bierbereitung in den Mund zu bekommen, da diese recht bitter waren. Lagerbier wurde sogar bis in das 1000 km entfernte gypten exportiert. Hammurabi, ein bedeutender babylonischer Knig und Reichsgrnder, erlie zur damaligen Zeit die lteste uns bekannte Gesetzessammlung. In diesen Texten wurde unter anderem ein Gesetz gefunden, dass der Bevlkerung Babyloniens eine tgliche Ration Bier zusicherte. Die Biermenge war abhngig vom sozialen Stand des Einzelnen. So erhielten zum Beispiel normale Arbeiter zwei Liter Bier, Beamte erhielten drei Liter und Verwalter und Oberpriester sogar 5 Liter Bier tglich. Zu jener Zeit wurde Bier nicht verkauft, sondern ausschlielich gegen Gerste getauscht . Da das Bierbrauen zu den huslichen Tugenden gehrte, war es Frauensache. Knig Hammurabi lie eine Schankwirtin ertrnken, wenn Sie sich in Silber bezahlen lie. Ebenso wurde verfahren, wenn minderwertiges Bier in den Ausschank gelangte. Die gypter fhrten die Tradition des Bierbrauens fort. Auch Sie benutzten direkt den ungebackenen Brotteig zur Bierherstellung. Noch heute stellen Bauern am Nil, die so genannten Fellachen, ihr Bier auf diese Weise her. Die gypter gaben dem Sud Datteln hinzu, damit das Bier schmackhafter wurde. Welche Bedeutung das Bierbrauen auch im antiken gypten hatte, lsst sich an der Tatsache erkennen, dass die gyptischen Schriftgelehrten ein eigenes Schriftzeichen fr die Brauer einfhrten. Von den Rmern wurde Bier weiterhin gebraut. Plinius berichtet von der Beliebtheit des Bieres im Mittelmeerraum bevor dort der Weinanbau Fu fasste. In Rom selbst wurde der Wein zum Getrnk der Gtter (Bacchus). Nur in den Auenbezirken des rmischen Imperiums, dort wo Wein nur schlecht gedieh, wurde Bier gebraut. Fr die Rmer, die fast nur Wein tranken, war Bier ein abscheulicher Trank der Barbaren.
Natrlich ist das Volksgetrnk Bier keine deutsche Erfindung - die Bierrezeptur des Morgenlandes ist vermutlich vom seefahrenden Volk der Phnizier in Nordeuropa eingefhrt worden -, und dennoch seit langer Zeit fester Bestandteil unserer Kulturgeschichte. Seit der der frhen Eisenzeit, also seit mindestens 3.000 Jahren, ist das Bierbrauen auch in unseren Breiten gebruchlich. Das lteste deutsche Zeugnis stammt aus dem bayrischen Kasendorf, nahe der Stadt Kulmbach. Hier wurden bei Ausgrabungen Bieramphoren aus der frhen Hallstadtzeit (um 800 v. Chr.) gefunden. Ein Bierverlegerstein, der in der Nhe von Trier gefunden wurde, belegt, dass Bier bereits in den ersten Jahrhunderten n. Chr. eine begehrte Handelsware war. Der rmische Historiker Cornelius Tacitus (55-120 n. Chr.) berlieferte uns ber die Germanen, dass sie "einen schauerlichen Saft, aus Gerste oder Weizen gegoren" tranken, und sicherlich kann die Qualitt des Gerstensaftes unserer Altvorderen nicht mit dem sffigen Pils oder Altbier heutiger Zeit verglichen werden. Das Bier der Germanen wurde aus Gerste, Hirse oder Weizen gebraut. Bei ihnen war brigens das Brauen ebenso wie das Kochen und Backen Frauensache. Sie entdeckten bald, dass nicht Brot der Rohstoff sein musste, sondern dass es ausreichte, Getreide keimen und trocknen zu lassen. Gewrzt wurde das germanische Bier mit Myrte, Anis, Kmmel, Rosmarin, Eschenlaub oder bittere Eichenrinde. Als zustzliche "Drhnung" wurde hufig noch Honig zugesetzt, der die Grung beschleunigte. Es war zu dieser Zeit eine kaum lnger haltbare, trbe, slich-pappige und schaumlose Bierbrhe, und fr die Wein trinkenden Rmer wohl das passende Getrnk fr Barbaren. Der Geschmack verbesserte sich erst, als man im 11. Jahrhundert den Hopfen fr die Bierherstellung entdeckte, der bereits seit dem 8. oder 9. Jahrhundert bekannt war. Den Germanen verdanken wir die Verbreitung des Bieres im nrdlichen Europa. Es war ihr Lieblingsgetrnk und ist es bis heute geblieben, sieht man einmal von dem etwas hheren Kaffeekonsum der Deutschen in der heutigen Zeit ab. Anders dagegen verhlt es sich mit dem Bierkonsum in Frankreich und und den sdlichen Lndern Europas - Italien, Spanien, Portugal und Griechenland. Auch dort gehrt Bier zwar zu den beliebtesten alkoholischen Getrnken, doch hat es im Vergleich zum Wein einen wesentlich geringeren Stellenwert als bei uns.
Im Jahr 1895 schrieb der britische Brauwissenschaftler Walter Sykes folgendes: "Louis Pasteur verdanken wir mehr als jedem anderen lebenden oder toten Mann unser gegenwrtiges Wissen ber den schwierigen und oftmals geheimnisvollen Prozess, der von lebenden Organismen getragen wird- die Grung". Mitte des 18. Jahrhundert fand die so genannte industrielle Revolution statt und brachte viele technische Fortschritte mit sich, die sich auch Brauereien zu Nutze machten. Eine davon war die "Kltemaschine". Frher konnte obergriges Bier nur im Winter hergestellt, bzw. nur in kalten Kellern gelagert werden. Oftmals wurden dazu Eisblcke von nahe gelegenen Seen herbeigeschafft. Angespornt durch die Mglichkeiten der Kltemaschine machten sich die besten europischen Brauer auf die Suche nach einer neuen Hefeart, die auch bei geringeren Temperaturen grt. Mit dabei der sterreicher Anton Dreher, sowie der Deutsche Gabriel Sedlmayr und der Dne Emil Hansen. Dreher und Sedlmayr gelang nach langwieriger Forschung die Isolation der so genannten untergrigen Hefe. Hansen hatte es geschafft, eine einzelne Hefezelle zu isolieren. Dies erlaubte es den Brauereien, nur Hefekulturen zu verwenden, die fr ein gutes Bier sorgen und einen nahezu gleich bleibenden Geschmack sichern wrden. Louis Pasteur war es auch, der als erster darauf kam, Flssigkeiten zu kochen um somit die in ihr enthaltenen Bakterien abzutten. Ihm verdanken wir die Pasteurisation, das Keimfreimachen, beispielsweise auch bei der Milch.
Die Geschichte vom 'Altbier'
HistorischesDie Anlage von tiefen Kellern zur Khlung mit Naturais war in der Ebene wegen des hohen Grundwasserspiegels nicht ohne weiteres mglich, und so entstanden speziell in den Grostdten Kln und Dsseldorf Standortnachteile, denn einem Umstieg von der obergrigen zur untergrigen Brauweise hatte die Natur in beiden Stdten enge Grenzen gesetzt. Als die untergrigen Biere gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf den Markt drngten, gerieten die Klner und Dsseldorfer Brauer in Schwierigkeiten, sich dem wandelnden Publikumsgeschmack anzupassen. Ob man wollte oder nicht: Man war weiterhin auf das Brauen obergriger Sorten angewiesen, doch man fand zunchst auch wegen der traditionellen Verwurzelung des obergrigen Bieres noch gengend Kundschaft. Doch musste in beiden rheinischen Metropolen die obergrige Brauerei einen mrderischen Existenzkampf fhren. Dazu wieder einige Zahlen: In Kln ging die Zahl der obergrigen Brauereien von 123 im Jahre 1861 auf 50 im Jahre 1900 zurck, in Dsseldorf im selben Zeitraum von 199 auf 43. Um 1900 war der Anteil des obergrigen Bieres im Rheinland auf nur noch 14% gesunken; 800.000 hl obergrigem Bier standen ca. 5.000.000 hl untergrigem Bier gegenber. Aber es gelang den obergrigen Brauereien dennoch sich zu behaupten. Das lag in erste Linie daran, dass auch sie sich dem modernen Industriemanagement ffneten und dass sie gegenber den untergrigen Sorten ein eigenes, immer genaueres Profil gewannen. Aus dem alten Haustrunk unterschiedlicher Qualitt, wie ihn zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch die meisten Brauereien kredenzten, wurde eine eigenstndige Biersorte, nmlich das in Kln - und sonst nirgendwo - gebraute Klsch und in Dsseldorf das nach alter Sitte gebraute und auch so genannte Altbier. Fr einen entsprechenden Kundenkreis waren beide Stdte gro genug und in diesen Nischen berlebte sowohl Klsch wie auch Alt die beiden Weltkriege. Und das macht zumindest fr das Alt ziemlich viel Sinn. In der Nachkriegszeit beobachten wir wiederum eine Geschmacks Vernderung. Bewirkt wurde diese Vernderung durch das mit dem wachsenden Wohlstand einhergehendes gesteigerte Interesse des Deutschen am feinerem Essen und Trinken. Wo man frher ein Bier bestellt hatte, legten jetzt immer mehr Kunden Wert auf einen speziellen Biertyp und sogar auf eine bestimmte Biermarke. mit dieser Entwicklung geriet die berragende Stellung des Exportbieres auf dem rheinischen Markt ins Wanken. Der Trend zum Besonderen fhrte weg vom Exportbier und hin zu bislang weniger populren Sorten. Dabei verschoben sich die Gewichte gleich in zwei Richtungen. Einmal - und das gilt fr die gesamte Bundesrepublik - lste das Pils das Exportbier als wichtigstes untergrige Produkt ab und zum anderen - hier knnen wir ein spezifisch rheinisches Phnomen erfassen - konnten die obergrigen Biere ihren Marktanteil erheblich ausweiten. Ich will mich hier nur der zweiten, das Rheinland betreffenden Verschiebung zuwenden. Die obergrigen Biersorten Klsch und Alt sind nie ganz vom rheinischen Markt verschwunden. In den 60er und 70er Jahren hat sich hier einiges verndert. Am Niederrhein eroberten die Klsch- und Altbiere fast 50% des Marktes und sind bis heute als regionale Spezialitten nicht mehr wegzudenken.
Altbier heuteAlt ist eine regionale Spezialitt, die immerhin einen Anteil von rund 12 Prozent an den in Nordrhein-Westfalen gebrauten Bieren hat. In Deutschlands bevlkerungsreichstem Bundesland stellen rund ein Dutzend Brauereien Altbier her und bringen es zusammen auf einen jhrlichen Aussto von 3,5 Millionen Hektolitern. Das Alt hat seine Heimat im Regierungsbezirk Dsseldorf, einem Gebiet, das im Westen und Norden bis zur hollndischen Grenze reicht. Im Sden ist dann bei Leverkusen Schluss, ab da beginnt die Herrschaft des Klsch. Und so wie zwischen Klnern und Dsseldorfern kaum Freundschaft entsteht, kommen sich auch die beiden Biersorten kaum ins Gehege. Das Altbier wird meist in einem 0,2 Liter-Glas, das zylindrisch geformt ist, serviert. Da Alt ausgesprochen sffig ist, ist das Glas schnell leer, und der Wirt hat alle Hnde voll zu tun, fr Nachschub zu sorgen. In Altbierkneipen herrscht oft eine frhliche Lebhaftigkeit, die dem rheinischen Temperament entspricht, und bei der sich auch Gste aus aller Welt Wohlfhlen. Wenn auch das Pils dem Alt in letzter Zeit Konkurrenz macht, gehrt das dunkle Obergrige zur Lebensart dieser Region einfach dazu.
Die Geschichte vom Pilsener
HistorischesJosef Groll (1813 - 1887) aus dem niederbayerischen Vilshofen war es, der am 5. Oktober 1842 im bhmischen Pilsen den ersten Sud jenes Bieres braute, dessen helle Farbe und besondere Hopfennote heute fr eine ganze Sorte steht: Pils oder Pilsener. Am 11. November desselben Jahres kam es erstmalig zum Ausschank - und trat seinen Siegeszug um die Welt an. In Pilsen wurde bis dahin obergrig gebraut (so genanntes "Oberhefenbier"). Aber den Bhmen wollte dieses Bier nicht mehr so recht schmecken. Qualitt und Haltbarkeit lieen derart zu wnschen brig, dass der Magistrat der Stadt sogar einmal 36 Fsser des ungeniebaren Gebrus ffentlich ausschtten lie. Die Brauberechtigten Brger Pilsens entschlossen sich deshalb zunchst, eine neue Brauerei zu errichten, um die technischen Voraussetzungen fr ein ordentliches untergriges Bier zu schaffen. Man sprach damals vom bayerischen Bier, weil die untergrige Brauweise hier zuerst hatte Fu fassen knnen und sich von Bayern aus immer weiter ausbreitete. Dem bayerischen Bier eilte bereits damals ein besonders guter Ruf voraus, bayerische Braumeister galten als Meister ihres Faches. Und so lie man es nicht bei einem neuen Sudhaus bewenden, man engagierte auch einen bayerischen Braumeister, um die Pilsener Brauart grundlegend zu sanieren. Josef Groll stellte wunschgem die bis dahin in Pilsen bliche Bierproduktion auf Untergrung "nach bayerischer Art" um. Ihm schwebte allerdings etwas vllig neues vor. So verwendete er statt des damals gebruchlichen dunklen Malzes ein sehr helles und gab dem Bier eine ungewhnlich reichliche Gabe feinsten Saazer Aromahopfens bei.
Ein vllig neues Geschmackserlebnis war geboren - und fand rasch Liebhaber weit ber den Pilsener Raum hinaus.
Josef Groll blieb nicht lange in Pilsen. Am 30. April 1845 lief sein Vertrag am Brgerlichen Brauhaus in Pilsen aus. Er wurde nicht verlngert. Doch auch in seiner Nachfolge trugen bis 1900, also annhernd 6 Jahrzehnte lang, bayerische Braumeister die Verantwortung fr die Pilsener Brauerei und deren berhmtes Bier. Josef Groll verstarb am 22. Oktober 1887 in seiner Geburtsstadt Vilshofen. Das ist zwar schade, aber nicht zu ndern. Wir trinken dennoch weiter...
Der Siegeszug des neuen BiertypsDie Bezeichnung "Pilsener Bier" war zunchst lediglich eine Herkunftsbezeichnung. Die Beliebtheit des "blonden", stark Hopfenbetonten Bieres wuchs jedoch rasch. Es fand zunchst in anderen bhmischen Brausttten, spter auch nrdlich des Erzgebirges und im Vogtland fleiige Nachahmung. Die Ausweitung der Eisenbahnstrecken vergrerte den Transportradius des Pilsener Bieres, sein guter Ruf wurde so mchtig, dass sich schon um die Jahrhundertwende die Bezeichnung "Pils" im Volksmund fr das Hopfenbetonte helle blanke Bier durchsetzte. "Pilsener" wurde mit und mit zur Gattungsbezeichnung. Das Brgerliche Brauhaus in Pilsen sah dies natrlich gar nicht gerne. 1898 erhob es eine Unterlassungsklage gegen die Brauerei der Gebrder Thomass in Mnchen, wobei es um die Bezeichnung "Thomass - Pilsner - Bier" ging. Bereits damals stellten sich die Gutachter jedoch auf den Standpunkt, dass "Pilsener" keine Herkunfts- sondern eine Typusbezeichnung sei. Im April 1899 wurde die Sortenbezeichnung "Pilsner" per Gerichtsbeschluss genehmigt. Ab 1900 tritt die Kurzform "Pils" als Gattungsbezeichnung fr helle, stark gehopfte Biere auf.
QualittsmerkmaleDer Stammwrzegehalt des Pils liegt bei 11,0 -11,8 %. Das helle, blanke Pils zeichnet sich durch eine ausgeprgte feinherbe Hopfenbittere aus. In den letzten Jahren ist die Hopfenbittere des Pils zum Teil deutlich reduziert worden. Die Bittereinheiten liegen hufig zwischen 25 und 30. Bestimmte Marken sind nach wie vor sehr stark gehopft und liegen bei 35 bis 45 BE, und BE steht leider nicht fr Biereinheiten, sondern fr Broteinheiten!!!!! Der Schaum ist fein und sahnig, der CO2- Gehalt liegt um 0,5 %.
BIER-PIVO-BIRRA-BEER-CERVEZA